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Französische Spitze

Historischer Spitzenstoff - Portrait of Veneta

Was heute als Französische Spitze bezeichnet wird, bezeichnet die Spitzenkunde als Filetspitze.

Wir bleiben aber bei dem Begriff „Französische Spitze“, da der Ausdruck Filetspitze gerade unter den kulinarisch interessierten Lesern eher zu Irritationen führen könnte. 😉

Streng genommen stellt die Französische Spitze eine Kombinationstechnik dar. Und zwar aus der Technik des Filierens, der Knüpfung des Netzes bzw. Tülls als Untergrund und der Füllung des Untergrundes mithilfe der Nadeltechnik. Entstanden ist diese Technik in Frankreich – daher auch der regionale Bezug – unter dem Begriff Dentelles á point mèlangés. Etwa zur gleichen Zeit in der auch die Nadel- und Klöppelspitzen entstanden sind. Die Technik des Netzknüpfens ist sehr alt, weil man bereits Fischernetze aus der neolithischen Zeit gefunden hat. Manche Historiker stellen sogar einen Zusammenhang zwischen der Technik des Fischernetzknüpfens und der Herstellung der Französischen Spitze her. Aber das finde ich zu weit hergeholt und dieser Punkt soll auch nicht unser Thema sein. In der Renaissance hatte sie Französische Spitze ihre Blütezeit und ist bis heute eine der hochwertigsten Spitzen, die erhältlich sind.

Die Merkmale der Französischen Spitze sind klar zu erkennen. Grundgerüst ist immer das Tüllnetz. Es hat gleichgroße Öffnungen und wird nicht durch größere Öffnungen unterbrochen. Das Füllen des Tülls erfolgt heute nicht mehr per Hand sondern maschinell. Auch hier werden die Fäden des Tülls umschlungen.  Dabei laufen die Formfäden in Schussrichtung also quer.

Die Französische Spitze ist in ihrem Griff sehr fein und weich. Die Stoffbreite kann aufgrund der maschinellen Möglichkeiten nicht über 90cm reichen. Da auch die original Französische Spitze bzw. das was wir heute als diese meinen auf Leavers-Maschinen hergestellt wird.

 

Echte Französiche Spitze mit "Clippings"
Echte Französiche Spitze mit „Clippings“

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Eine für den Laien kaum zu unterscheidende und durch die industrielle Massenproduktion sehr verbreitete Kopie ist die Raschelspitze. Hier liegen die Stoffe aber mindestens doppelt so breit, in der Regel bei 150cm. Das Bild der der Raschelspitze ist auch viel gleichförmiger und es fehlen die sogenannten „Clippings“.  Dies sind leicht abstehende Fadenenden, die durch das Abschneiden („Clipping“) des Fadens entstehen, um den Fadenverlauf zwischen den einzelnen Musterrapporten zu unterbrechen. Oft wird bei der Französischen Spitze eine andere Fadenstärke für das Muster verwendet.  Dies ist bei der Raschelspitze nicht möglich.

Einfache Raschelspitze
Einfache Raschelspitze

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Auch zu unterscheiden ist die Tüllspitze, der korrekte Ausdruck wäre hier Tüllstickerei. Der Begriff Tüllstickerei deutet bereits auf den Unterschied hin.  Hier wird ein Tüll per Stickmaschine bestickt. Leicht zu erkennen ist dies an der erhabenen Musterung, die beim Besticken immer entsteht.

Tüllspitze oder besser Tüllstickerei
Tüllspitze oder besser Tüllstickerei

 

Für Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung unter post@braun-spitzen.de oder rufen Sie uns einfach an unter 030 – 85070390!

 

Die Autorin:

Braun Spitzen & Tülle - K. Braun

 

 

 

 

 

Katharina Braun (34) ist neben Ihrer Mutter Gabriele Braun Gesellschafterin der Braun Spitzen & Tülle GmbH & Co. KG. Nach Ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre begann sie im elterlichen Betrieb zu arbeiten. „Am liebsten bastle ich mit Kindern in der KITA meines Sohnes. Hier entstehen die tollsten Sachen aus unseren Stoffen.“